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Geschichte / Sage

 

De Sgönaunken im Hüggel

Im Hüggel haben vor langer Zeit Zwerge gehaust, die man Sgönaunken oder Sgönunken, auch Hünnerskes und wilde Gesellen nannte. Sie hielten sich in den Höhlen des Berges auf, den Wünnerkesgättern, Wüllekeslöckern oder Wulwekerslöckern, und man sagt, daß diese sich bis nach Osnabrück erstrecken, wo sie am Gertrudenberg wieder ans Tageslicht führen, andere glauben auch, sie gingen bis nach Tecklenburg.

 

Die Sgönaunken schmiedeten den Bewohnern der Umgebung mancherlei Geräte, namentlich Pflugeisen und Brandroste, die man auf dem Herde als Unterlage des Holzes gebrauchte, besonders die mit einer Hand habe wie ein sitzender Hund, die deshalb Feuerhunde heißen. Die Sgönaunken haben sich jedoch niemals gezeigt. Daher mußte man die Bestellungen auf einen Zettel schreiben und diesen auf einen Tisch vor der Höhle legen. Wenn man dann am anderen Tage wiederkam, lag das bestellte Gerät fertig da und daneben ein Zettel, auf dem der Preis geschrieben stand. Nur an bestimmten Tagen, besonders am Donnerstag und Samstag, durfte man zu der Höhle gehen.

 

Auch der Hüggelmeier auf dem Hüggelhofe hatte einst bei der Sgönaunken ein Pflugeisen bestellt. Als er es am anderen Tage fertig vorfand und daneben den Zettel mit der Angabe des Preises sah, trieb ihn der Übermut, und er "makete sin Behoves" (seine Notdurft) auf den Tisch. Dann machte er sich eilig auf seinem schnellen Pferde davon, aber es raste etwas hinter ihm her in Gestalt eines glühenden Rades oder, wie andere sagen, in der Gestalt eines glühenden Pflugeisens und rief immer wieder, solle "wiederkieken". Der Hüggelmeier aber folgte nicht dem Rufe, sondern rannte weiter und gelangte glücklich auf seinen Hof. Mit gewaltigem Satz sprang das Pferd über die Untertür auf die Diele; das glühende Eisen fuhr in den Türpfosten, in dem die versengte Stelle noch lange nachher sichtbar war. Der Bauer war gerettet, aber vor der Tür rief eine Stimme, das solle noch der neunte Hüggelmeier entgelten. Und so kam es, denn der Bauer und seine Nachfolger hatten viel Unglück in der Wirtschaft. Jetzt aber müssen sie auf dem Hüggelhof schon längst über das neunte Glied hinaus sein, denn es geht ihnen recht wohl.

 

Die Sgönaunken haben auch oft den Leuten in der Umgegend die Kinder fortgenommen und ihre eigenen an Stelle der geraubten in die Wiege gelegt. Wenn man aber diese Wechselbälge zum Sprechen bringen konnte, dann mußten die Zwerge sie wieder holen. Einmal wußte eine Frau gar nicht, wie sie das fremde Wesen zum Sprechen bringen sollte. Da riet ihr jemand, sie solle Eierschalen aufs Feuer setzen und in ihnen brauen. Kaum hatte das Kind dies gesehen, da kam ihm plötzlich die Sprache, und es rief: "Siebenmal habe ich den Bremer Wald abbrennen sehen, aber solch ein Brauen habe ich noch nie gesehen!" Gleich nach diesen Worten war es verschwunden, und das eigene Kind der Frau lag wieder in der Wiege.

 

Ein Herr von Stahl auf Sutthausen unternahm es einst, in die Höhlen der Sgönaunken einzudringen. Am Eingange der Wüllekeslöcker befestigte er einen Faden und ging dann, die Schnur immer weiter abrollend, durch die langen Gänge, bis der Faden abriß. Da irrte er umher, ohne einen Ausweg zu finden, und gelangte endlich in einen Raum, in dem Stühle, Bänke und Tische rings an den Wänden standen; oben an der Decke hing an einem dünnen Faden ein gewaltiger Eisenstein. In der Mitte der Höhle aber saß eine alte Frau und spann, zu ihren Füßen schliefen zwei große Doggen. Die Alte trat auf den Eindringling zu und mahnte ihn, leise auf zutreten, damit er die Hunde nicht wecke, sie würden ihn sonst zerreißen. Dann führte sie ihn wieder aus dem Berge heraus. Aus Dankbarkeit für seine glückliche Errettung schenkte Herr von Stahl der Kirche zu Hagen zwei Wiesen; deshalb sollte jeden Sonntag in der Kirche für ihn gebetet werden.

 

Eine andere Sage erzählt, daß ein Jäger des Herrn von Stahl sich bei der Verfolgung eines Fuchses in den Höhlen verirrt habe und dann von der alten Frau wieder ans Tageslicht geführt sei. Er sei auch bei dem Umherirren in einen Höhlenraum gekommen, in dem ein Mann mit eisgrauen Haaren an einem Tische saß und schlief; zu seinen Füßen lag ein gewaltiger Hund. Als der Jäger weiter ging, kam er in eine große Höhle, in der saß eine Dame, und zwei Doggen lagen zu ihren Füßen. Sie trat auf ihn zu und warnte ihn, sich ja ruhig zu verhalten und die Doggen nicht zu wecken, sonst würden sie ihn zerreißen. Da ist er bestürzt umgekehrt, aber lange in der Höhle umhergeirrt, bis er zuletzt ein Gelübde getan hat, bei jedem Brotbacken auf dem Hofe seines Herrn solle den Armen ein Brot gegeben werden. Das hat ihm geholfen; er ist glücklich herausgekommen, aber so lange war er in der Höhle umhergeirrt, daß sein Bart ganz lang und struppig geworden war.

 

Einst war eine Frau nach der Geburt eines Kindes ausgegangen, ehe sie ihren Kirchgang gemacht hatte. Da ist sie plötzlich in die Höhle im Hüggel geführt worden und hat dort Rüden säugen müssen. Bald danach sind auch die Sgönaunken zu ihr gekommen, haben von ihr zwei Tonnen Butter verlangt und gesagt, wenn sie die nicht erhielten, so müsse sie täglich wieder in den Hüggel und Rüden äugen; da hat sie eilig die Butter zur Höhle getragen, um nur von der furchtbaren Strafe loszukommen.

 

Oft kamen die Sgönaunken auch des Nachts in die Bauernhäuser und kneteten den Brotteig, den man des Abends eingesäuert hatte. Aber noch niemand hatte sie bei dieser Arbeit gesehen; da versteckte sich eines Abends ein Knecht hinter einer Wanne. Als es Nacht geworden war, sah er zwei von den Sgönaunken ins Haus kommen und fleißig anfangen zu kneten. Mitten in ihrer Arbeit machte er jedoch eine Bewegung, und sogleich rief einer der Zwerge: "Et wegget sick!" Der andere aber antwortete: "Kett man to! Kett man to!" (Knet nur zu). Als der Knecht dies hörte, sprang er mit einem Knüttelaus seinem Versteck und verjagte die Sgönaunken. Seitdem sind sie nicht wiedergekommen.

 

Auf dem Wipperskiel, einer Höhle unter dem Hüggel, wo man noch altes Töpfergeschirr und auch Mauerreste gefunden hat, hat man oft die Hexen tanzen sehen, und furchtsame Leute wagen sich auch heute dort nicht entlang.

 

Sagen im Osnabrücker Lande / Schirmeyer, L.: Osnabrücker Sagenbuch

 

Quelle: Chronik Hasbergen von Kurt Schüttler (nachzulesen Seite 579/580)

 


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